Anwaltliches Berufsrecht
Kanzlei und Berufsausübung
Kanzleipflicht, Organisationsformen und Haftung, die digitale Kanzlei mit beA und Verschlüsselung, Dienstleister und Cloud nach § 43e BRAO, der Blick der Finanzverwaltung in die Akten und die Büroorganisation, die vor Kammer und Haftpflichtversicherer besteht.

Die Berufspflichten sind für den einzelnen Anwalt geschrieben, erfüllt oder verfehlt werden sie in einer Organisation. Die Kanzlei ist der Ort, an dem Verschwiegenheit, Kollisionsprüfung, Fremdgeldverwaltung, Fristenkontrolle und elektronischer Rechtsverkehr in Abläufe übersetzt werden, und seit der Reform von 2022 trägt sie als Berufsausübungsgesellschaft selbst Pflichten. Die sieben Kapitel dieser Rubrik behandeln die Kanzlei als Rechtsform, als Haftungssubjekt, als Betrieb und als technische Infrastruktur.
Am Anfang steht die Kanzleipflicht des § 27 BRAO, die der Anwaltssenat im Dezember 2025 in einem Urteil ausgelegt hat, das die Anwaltschaft spaltet und gegen das Verfassungsbeschwerden anhängig sind. Es folgen die Organisationsformen von der Bürogemeinschaft bis zur Berufsausübungsgesellschaft mit ihren Haftungsfolgen, die Anwaltshaftung mit Mandatsumfang, Pflichtenprogramm, Beweislast und Regressverjährung, die digitale Kanzlei mit beA, Verschlüsselung und Datenschutz, die Einbindung externer Dienstleister nach § 43e BRAO und § 203 Abs. 3 StGB, die Betriebsprüfung mit dem Konflikt zwischen Steuergeheimnis und Mandatsgeheimnis und am Ende die Büroorganisation, in der Mitarbeiter, Kollisionsprüfung, Fristen, Vertretung, Abwicklung und Kanzleinachfolge geregelt sein müssen.
Wer eine Kanzlei gründet, übernimmt oder umbaut, findet hier die berufsrechtlichen Anforderungen an jede dieser Entscheidungen. Wer von der Kammer zu seiner Organisation befragt wird, findet die Argumente, mit denen sich ein Organisationsvorwurf beantworten lässt.
Die Kapitel dieser Rubrik
- Die Kanzleipflicht des § 27 BRAO und ein Urteil, das die Anwaltschaft spaltet
Was eine Kanzlei ist, was der Anwaltssenat im Berliner Business-Center-Fall entschieden hat und was nicht, die Kritik aus der Anwaltschaft, der Vorschlag des Anwaltvereins, die Verfassungsbeschwerde, die Zweigstelle, die Befreiung, die weitere Kanzlei und die Folgen für Homeoffice, Bürogemeinschaft und Syndikus.
- Organisationsformen, Haftung und Versicherung
Einzelkanzlei, Bürogemeinschaft, Gesellschaft bürgerlichen Rechts, Partnerschaft mit beschränkter Berufshaftung, Anwalts-GmbH und die Berufsausübungsgesellschaft nach den §§ 59b ff. BRAO. Wer wofür haftet, was die Zulassung der Gesellschaft verlangt, welche Berufe zusammenarbeiten dürfen und was die Berufshaftpflichtversicherung decken muss.
- Anwaltshaftung, Pflichtenprogramm, Beweislast und Regressverjährung
Die zivilrechtliche Seite der Berufspflichten. Anspruchsgrundlagen, der Umfang des Mandats, die Pflicht zum sichersten Weg, Warnpflichten, Kenntnis von Gesetz und Rechtsprechung, Schaden und Kausalität, die Beweislast im Regressprozess, die Vermutung beratungsgerechten Verhaltens, die Verjährung nach § 199 BGB und das Verhältnis zur berufsrechtlichen Aufsicht.
- Die digitale Kanzlei, beA, Verschlüsselung und Datenschutz
Kommunikationswege und ihre Risiken, die Regel des § 2 Abs. 2 BORA zur E-Mail, das beA als sicherer Kanal, Verschlüsselung und Schlüsselhoheit nach den Erfahrungen aus Kanzleidurchsuchungen, Messenger und Videokonferenz, mobile Geräte, die Datenschutz-Grundverordnung in der Kanzlei und die Meldung von Datenpannen.
- Dienstleister, Cloud und § 43e BRAO
Die Ermöglichungsnorm für externe Dienste mit Schutzauflagen. Was § 43e BRAO verlangt, was § 203 Abs. 3 StGB erlaubt, was der Vertrag in Textform enthalten muss, was die Erforderlichkeit bedeutet, was bei Dienstleistern im Ausland gilt, wann der Mandant zustimmen muss und worauf er verzichten kann, wie die Datenschutz-Grundverordnung daneben steht und wo die Grenzen für Cloud-Speicher, Kanzleisoftware und Auswertungswerkzeuge liegen.
- Die Betriebsprüfung und das Berufsgeheimnis
Die Finanzverwaltung darf die Kanzlei prüfen wie jeden Betrieb, aber die Bücher des Anwalts enthalten Mandatsgeheimnisse. Was die §§ 102 und 104 AO schützen, was der Bundesfinanzhof zur Neutralisierung entschieden hat, wie der Datenzugriff nach § 147 Abs. 6 AO abläuft, was gilt, wenn der Mandant geprüft wird, und wie Aufbewahrungsfristen und Datenschutz zusammenpassen.
- Büroorganisation, Mitarbeiter, Kollisionsprüfung und Kanzleinachfolge
Was eine Kanzleiorganisation leisten muss, damit sie vor Kammer und Haftpflichtversicherer besteht. Beschäftigungsformen, Verpflichtung und Überwachung der Mitarbeiter, die Kollisionsprüfung bei Mandatsannahme, Fristenkontrolle und Postbearbeitung, Vertretung und Abwicklung, Kanzleiübernahme, Mandantenübergang und der Verkauf einer Kanzlei.
Zusammenhängend und mit allen Nachweisen steht dieser Teil im Skript zum anwaltlichen Berufsrecht, Teil 4 ab Seite 131.